Pierre Jaques, den alle nur „Opa Pierre“ nannten, weil er schon so alt war, lebte mit seiner Frau in einem kleinen Dorf in der Mitte von Frankreich. Einige Dorfbewohner nannten ihn auch „den Detektiv“, da er viele Krimis las und immer so geheimnisvoll umher lief, als ob er einem Mörder auf der Spur war. Pierre störte das aber keineswegs, denn er war ein fröhlicher Mensch und trotz seines Alters noch voller Lebensenergie.

Eines schönen Sonntags, als er nach einigen Crèpes und einer großen Tasse Café au lait zum Angeln, seiner zweiten Leidenschaft neben den Krimis, loszog, ahnte er noch nichts von dem aufregenden Erlebnis, das noch folgen würde. Es hatte schon seit Wochen nicht mehr geregnet und die Sonne schien vom blauen Himmel herab. Die Angel über der Schulter, den Köderfischeimer in der einen und die Anglertasche in der anderen Hand zog er fröhlich pfeifend den Fluss entlang.

Nach einiger Zeit kam ihm ein Dorfbewohner, Monsieur Rats, entgegen. Er hatte einen kleinen, geschlossenen Eimer in der Hand und grüßte Pierre freundlich. „Wohin des Weges?“, fragte Pierre ihn und zog fragend die Augenbrauen hoch. Monsieur Rats antwortete: „Bonjour, wie geht’s? Ich bin schon seit den frühen Morgenstunden unterwegs auf Weinbergschneckensuche. Heute Abend werde ich wunderbare Schnecken in Knoblauchbutter essen!“ Pierre wünschte auch ihm einen guten Tag und ging weiter. Schon nach wenigen Minuten traf er auf zwei Männer, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Sie hatten Angeln in der Hand mit so dicker Schnur, dass Pierre nur den Kopf schüttelte. Solche Schnüre benutzt man nur am Meer und nicht an einem kleinen Fluss. Als er den Männern einen Tipp geben wollte, brummten sie nur ärgerlich, packten recht schnell ihre Sachen in die großen Angeltaschen und verschwanden. Pierre dachte erstaunt: „Was wollten die denn hier, die können doch gar nicht angeln.“ Schon runzelte er die Stirn und sein Verbrecherspürsinn erwachte. Er suchte noch ein bisschen die verlassene Angelstelle ab, fand aber nichts Verdächtiges und lief weiter.

Als er endlich an seiner Lieblingsangelstelle ankam, baute er seine Angel auf, piekte einen Wurm auf den Haken und warf aus. Dann hoffte er auf Glück und setzte sich erleichtert auf seinen Ködereimer, ein spezielles, von ihm selbst gebautes Modell mit Rückenlehne. Pierre war schon fast in der Sonne eingenickt, da merkte er, dass etwas an der Angel zog. Sofort war er wach, kurbelte die Schnur ein und landete einen herrlichen Karpfen. „Zack!“ , nach einem Schlag auf den Kopf, landete der Fisch im Eimer und Pierre dachte schon an das leckere Essen. „Dieser war für meine Frau. Der Nächste ist für mich!“ ,dachte Pierre zufrieden. Nach kurzer Zeit schwamm der Köderfisch im Fluss, von Pierre wachsam beobachtet. „Wo schwimmt er denn hin? Wohl doch nicht unter die Uferböschung?“ , fragte sich Pierre. Doch als er gerade das Fischchen zurückziehen wollte, schoss ein silberner Blitz durch’s Wasser und Pierre hatte den größten Hecht seines langen Anglerlebens am Haken. Er kurbelte und kurbelte und zog nach einer viertel Stunde schweißgebadet einen monströsen Hecht aus dem Wasser. Mit ihm geschah das gleiche wie mit dem Karpfen und Pierre sank erschöpft zu Boden. Er seufzte: „Puh, ich werde alt.“ In diesem Augenblick ging sein Blick über’s Wasser und er sprang auf, wie man es von einem Mann in seinem Alter nie vermutet hätte. Sein Herz raste. Er wurde kreidebleich und schnappte nach Luft. Was sah er dort im Wasser? Er riss sich zusammen und schaute noch einmal hin. Da kam tatsächlich ein menschlicher Rücken zum Vorschein. Dieser Rücken trieb langsam und ruhig den Fluss hinunter, als ob es ganz normal wäre. Pierre erkannte nun, dass es ein vollständiger Körper war. Die Leiche war schon fast an ihm vorbei getrieben, da wurde Pierre sich erst bewusst, dass er etwas tun musste.  „Wozu bin ich ein Angler!“ rief er und warf die Angel noch einmal aus. Der Wurf saß sofort und langsam zog er die Leiche zu sich ans Ufer. Pierre zitterte, als er sie am Arm heraus zog. Als er den Toten umdrehte, sah er den noch immer erstaunten Gesichtsausdruck des Mannes. Es war der Graf, der nicht weit von hier lebte. Pierre raste, so schnell ihn seine alten Beine trugen zur Polizei.

Als er am Abend immer noch auf dem Revier saß, hatte man inzwischen die Todesursache, Tod durch Messerstiche und auch den Todeszeitpunkt heraus bekommen. Außerdem bekam man von der örtlichen Bank die Information, dass der Graf an diesem Tag mit sehr viel Geld vorbei kommen wollte und nie dort angekommen war. Also, Mord aus Gier. Man hatte auch alle Verdächtigen, Monsieur Rats und die beiden Fremden, ermittelt, festgenommen und verhört. Alle bestritten, dass sie den Grafen auch nur gesehen hatten.

Nun saß Pierre noch immer in der Wachstube und wich dem Kommissar nicht von der Seite. Dieser sagte: „Dieser Fall war leicht zu klären, denn die beiden fremden Angler hatten weder das richtige Angelzeug, noch einen Grund sich in dieser Gegend aufzuhalten. Ich denke, wir werden sie sofort ins Hauptkommissariat bringen. Allerdings fehlt nur noch die Beute. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend, Pierre.“ Zufrieden schaute er in die Runde. Pierre antwortete jedoch nicht, sondern kratzte sich am Bart. Er meinte: „Na, wenn Sie sich da mal nicht täuschen.“ Wenig später erschien er mit dem gesamten Diebesgut.

 

Frage: Wo fand Pierre das Geld und wer war der Mörder? Wie hat Pierre das heraus bekommen?

Benutze deine biologischen Kenntnisse!!!

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Lösung: Pierre fand das Geld im kleinen, geschlossenen Eimer. Hier hätten eigentlich Schnecken drin sein müssen, die wegen des sonnigen, trockenen Wetters aber gar nicht aktiv waren. So hatte Monsieur Rats gar keine finden können. Monsieur Rats war also der Mörder.

Pierre ist ein Franzose und so weiß er, wann man Schnecken sammelt.

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